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JU Marsberg besucht Nikolaikirche Obermarsberg

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Renovierungen sind dringend notwendig - Sensburg sagt Unterstützung zu

Spätestens seit der Ortsbesichtigung durch das Bauamt des Erzbistums Paderborn im März dieses Jahres ist klar: Die Nikolaikirche in Obermarsberg muss dringend renoviert werden. Auf zirka 500.000 Euro werden die Sanierungskosten geschätzt; eine Summe, welche weder die Kirchengemeinde Obermarsberg, noch die Diözese alleine stemmen kann. Bei einem gemeinsamen Besuch mit der JU Marsberg in Obermarsberg Anfang August zeigte sich der Bundestagsabgeordnete Patrick Sensburg beeindruckt von dem Bauwerk und sagte seine Unterstützung bei der Beschaffung von Drittmitteln zu.
Drei große Baustellen hat das bischöfliche Generalvikariat in seinem Bericht festgehalten: Das Dach, das Südportal und der Putz im Sockelbereich des Kircheninnenraums. In der Vergangenheit waren bereits vereinzelt lose Schindeln herunter gekommen, woraufhin das Dach provisorisch abgesichert wurde. Ein beauftragter Sachverständiger aus Schmallenberg beschrieb in seinem Gutachten, dass die komplette Nordseite und das Dach über dem Chorraum der Südseite, das ist eine rund 400 Quadratmeter große Fläche, neu eingedeckt werden muss. Die vorhandene Eindeckung stammt aus dem Jahr 1946. Die Südseite, weitere rund 250 Quadratmeter, wurde 1985 neu gedeckt und muss zumindest repariert werden. Die Kosten für die Dachsanierung werden auf rund 300.000 Euro geschätzt.

„Das Dach ist das Allerwichtigste. Wenn das undicht ist, leidet die ganze Bausubstanz darunter“, erklärte Winfried Kramer, der das Vorhaben planerisch begleitet. Deutlich sichtbare Schäden, Risse und Ausbrüche, weist das Südportal auf, von Fachleuten als ein „Meisterwerk spätromanischer Steinmetzkunst“ gepriesen. „Das Dach ist das Allerwichtigste“ Auch hier müsste bald etwas geschehen, denn durch die Risse kann Wasser eindringen und bei Frosteinbruch ganze Dekorteile absprengen. Vereinzelt wurden bereits Reparaturen durchgeführt, nicht immer jedoch ganz fachmännisch. Je nach Restaurierungsaufwand ergeben sich hier Kosten zwischen einigen zehntausend und hunderttausend Euro. Die LWL-Denkmalpflege wurde für konservatorische Voruntersuchungen eingeschaltet. Im Innenraum leidet der Putz unter der von unten eindringenden Feuchtigkeit. Die Schäden sind bereits bis zu einer Höhe von 1,50 Meter festzustellen. Der Restaurationsbetrieb Theile aus Hesperinghausen hat Proben entnommen „Nach den erfolgreichen Denkmalschutz-Sonderprogrammen des Bundes in den vergangenen Jahren hoffe ich, dass es auch im kommenden Jahr wieder Fördermittel des Bundes (BKM) geben wird“, erklärte Sensburg. Der Bundestagsabgeordnete hatte, nach Auskunft seines Büros, in den vergangenen Jahren mehr als 900.000 Euro an Denkmalschutzmitteln des Bundes in den Hochsauerlandkreis geholt. Für dieses Jahr sind die Mittel bereits ausgeschöpft, frühestens Mitte nächsten Jahres wäre mit einem Bescheid zu rechnen. „Die Nikolaikirche ist ein kunstgeschichtlich sehr interessantes Bauwerk und in ihrer Art einzigartig. Westfälische spätromanische Bauweise und Übergangsformen von der Romanik zur Gotik bestimmen den Außenbau. Das von der hessischen Seite beeinflusste gotische System macht sich vor allem in den Fenstern und in der Ornamentik bemerkbar. Beide Entwicklungsstufen führen dazu, dass die Baustile in dichter Folge auftreten und von Anfang an miteinander verquickt werden“, erläuterte Hermann Runte vom Kirchenvorstand. Die Auseinandersetzung zwischen Spätromanik und Gotik setze sich auch im Innern der Kirche fort. „Man gewinnt ein wenig den Eindruck, dass die Baumeister der damaligen Zeit mit dem Herzen der westfälischen Bauweise verbunden waren, sich aber dem Einfluss der Gotik, ausgehend von der Elisabeth-Kirche in Marburg, nicht entziehen konnten und sich mehr und mehr öffneten, was vor allem in der westlichen Apsis der Kirche deutlich wird“, führte Runte weiter aus. Den Bau der Nikolaikirche hatten im 13. Jahrhundert wohlhabende Kaufleute und Bürger Horhusens (Niedermarsberg) veranlasst. Sie waren mit ihren Familien aus politischen Gründen – und außerdem weil sie Schutz vor Hochwasser und vor Raubrittern suchten – auf den Eresberg umgesiedelt.

Text: Karin Sens, Sauerlandkurier

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